Schrift-Zeichen
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Die Schriftbilder von Sabine Seidemann kann man im Sinne eines analogen bildnerischen Denkens verstehen. Für sie scheint mir die bindende Kraft ihrer zeichenhaften Strukturen das Wesentliche, wobei das Fragmentarische, das Ungewisse, die Auflösung und das Vergessenwerden mitgedacht sind, aber gewissermaßen überwunden werden. Das Grundmotiv der Schrift verweist schon auf Mehrschichtigkeit: die Wirklichkeit eines Textes und des Inhaltes haben wenig zu tun mit der bildnerischen Qualität der Zeichen, beides gehört verschiedenen Wahrnehmungsebenen an, auch verschiedenen Zeiten, insofern Text und Zeichen auf unterschiedliche Weise gealtert sind. Der Text scheint wichtig, aber nicht als Mitteilung oder Information, nicht um verstanden zu werden. Diese inhaltliche Ebene spielt keine Rolle, aber an ihr wird festgehalten, es ist der fraglose Sinn – nicht der Bilder, sondern außerhalb dieser Bilder, ähnlich wie in einem vorzeitlichen Kultus, man denkt auch an Benjamins Wort von der Fundierung aufs Ritual. Es muss etwas gemeint sein, das scheint klar. Das Bildnerische entfernt sich vom inhaltlichen Hintergrund durch die Verwendung abstrakter Zeichen, u.a. von Runenzeichen, durch Überlagerungen von Strukturen und Farbschichten, durch die Umformung und Spiegelung in Frottagen. Es ist ein Prozess der Metamorphosen, der Verkettung und seriellen Fortsetzung, der nicht rätselhaft ist, aber auch nicht verstehbar. Diese Ambivalenz beim Verständnis gehört zum Thema der Schrift und ebenso des Bildes.

Jens Semrau

Auszug aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung Martin Seidemann/Sabine Seidemann - Schrift-Bilder, Malerei – Galerie 100, Berlin am 23.05.2007